Kleingartengesetz in den Bundesländern: Bundesrecht, Landesrecht, Satzung
Von Carsten Buchholz, unabhängiger Versicherungsmakler · Veröffentlicht am 28. Oktober 2026 · 5 Minuten Lesezeit
Kurz beantwortet
Es gibt kein eigenes Kleingartengesetz der Bundesländer: Das Bundeskleingartengesetz (BKleingG) gilt in allen 16 Ländern wortgleich – mit 24-m²-Laube, Pachtdeckel und Wohnverbot. Unterschiede entstehen durch Landesbauordnung, Landesnachbarrecht, Zuständigkeitsregeln der Länder sowie die Rahmenordnungen der Landesverbände und Vereinssatzungen. Eine echte gesetzliche Sonderregel gibt es nur für die neuen Länder: § 20a BKleingG schützt Lauben und Rechte aus der Zeit vor dem 3. Oktober 1990.
Die vier Ebenen des Kleingartenrechts
Wer wissen will, was in seinem Garten erlaubt ist, muss vier Ebenen kennen. Je weiter unten, desto konkreter – aber keine untere Ebene darf dem Bundesgesetz widersprechen:
| Ebene | Beispiele | Was dort geregelt wird |
|---|---|---|
| 1. Bundesrecht | BKleingG, BauGB, BGB | Definition Kleingarten, 24 m², Pacht, Kündigung, Wohnverbot |
| 2. Landesrecht | Landesbauordnung, Nachbarrechtsgesetz, Zuständigkeitsverordnungen | Verfahrensfreiheit von Lauben, Grenzabstände, zuständige Behörden |
| 3. Verband | Rahmen-Gartenordnung, Wertermittlungsrichtlinie des Landesverbands | Bauvorgaben, Anpflanzungen, Bewertung bei Pächterwechsel |
| 4. Verein / Vertrag | Pachtvertrag, Satzung, Gartenordnung | Übernachten, Ruhezeiten, Pools, Gemeinschaftsarbeit |
Die meisten Konflikte im Gartenalltag – Pool, Sichtschutz, Grillen, Hochbeet, Gewächshausgröße – entscheiden sich auf Ebene 3 und 4. Deshalb gibt es auf die Frage „Was gilt in NRW?“ oft keine landesweite Antwort, sondern nur: „Was steht in Ihrer Gartenordnung?“
Was die Länder tatsächlich regeln
- Bauordnung: Die Landesbauordnungen orientieren sich an der Musterbauordnung, die Gartenlauben in Kleingartenanlagen im Sinne des BKleingG verfahrensfrei stellt. Verfahrensfrei heißt: keine Baugenehmigung nötig – die Vorgaben aus Gesetz und Gartenordnung gelten trotzdem. Prüfen Sie die aktuelle Fassung Ihres Landes.
- Nachbarrecht: Grenzabstände für Bäume, Hecken und Einfriedungen stehen in den Nachbarrechtsgesetzen der Länder (in Bayern im Ausführungsgesetz zum BGB). Innerhalb von Anlagen regeln Gartenordnungen die Abstände zwischen Parzellen meist selbst.
- Zuständigkeiten: Die Länder bestimmen etwa, welche Behörde über die kleingärtnerische Gemeinnützigkeit von Vereinen (§ 2 BKleingG) entscheidet.
- Stadtstaaten: In Berlin, Hamburg und Bremen sind Land und Kommune identisch. Dort gibt es oft eigene Kleingartenentwicklungspläne oder Verwaltungsvorschriften zur Flächensicherung. Ob und wann daraus neue Gesetze entstehen, sollten Sie bei Senat bzw. Landesverband nachlesen.
Sonderfall neue Bundesländer: § 20a BKleingG
Mit der Wiedervereinigung wurde das BKleingG auf das Beitrittsgebiet übertragen. § 20a enthält dafür Überleitungsregeln. Die wichtigsten:
- Kleingartennutzungsverhältnisse aus DDR-Zeiten richten sich seit dem 3. Oktober 1990 nach dem BKleingG.
- Vor diesem Stichtag rechtmäßig errichtete Lauben, die größer als 24 m² sind, dürfen unverändert genutzt werden.
- Eine vor dem Stichtag bestehende Befugnis, die Laube zu Wohnzwecken zu nutzen, bleibt unter bestimmten Voraussetzungen unberührt.
Das betrifft Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und den Ostteil Berlins. Wichtig: Datschen und Erholungsgrundstücke außerhalb von Kleingartenanlagen fallen nicht unter das BKleingG, sondern unter andere Regeln (insbesondere das Schuldrechtsanpassungsgesetz). Für sie ist nicht die Kleingarten-, sondern eine Wochenendhausversicherung die richtige Wahl.
Alle 16 Bundesländer im Überblick
| Bundesland | § 20a (Überleitung Ost) | Regionale Seiten |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg | nein | Stuttgart |
| Bayern | nein | Ratgeber Bayern · München · Nürnberg |
| Berlin | ja, für den Ostteil | Berlin |
| Brandenburg | ja | Ratgeber Brandenburg · Potsdam · Cottbus |
| Bremen | nein | Bremen |
| Hamburg | nein | Hamburg |
| Hessen | nein | Frankfurt · Kassel |
| Mecklenburg-Vorpommern | ja | Rostock · Schwerin |
| Niedersachsen | nein | Hannover · Braunschweig |
| Nordrhein-Westfalen | nein | Köln · Düsseldorf · Dortmund · Essen |
| Rheinland-Pfalz | nein | – |
| Saarland | nein | – |
| Sachsen | ja | Leipzig · Dresden · Chemnitz |
| Sachsen-Anhalt | ja | Halle · Magdeburg |
| Schleswig-Holstein | nein | Kiel · Lübeck |
| Thüringen | ja | Ratgeber Thüringen · Erfurt · Jena · Gera |
Zuständig für die Rahmenregeln ist jeweils der Landesverband der Kleingärtner bzw. Gartenfreunde; in einigen Ländern gibt es mehrere Landesverbände. Ihr Verein nennt Ihnen den zuständigen Verband. Zahlen zu Kleingärten je Land finden Sie im Kleingarten-Atlas.
Gibt es 2026 ein neues Kleingartengesetz?
Das BKleingG wurde seit 1983 mehrfach geändert, seine Grundregeln – 24 m², Pachtdeckel, Kündigungsschutz, Wohnverbot – sind aber unverändert. Eine grundlegende Reform ist uns mit Stand Oktober 2026 nicht bekannt. Die aktuelle Fassung veröffentlicht das Bundesjustizministerium kostenlos auf gesetze-im-internet.de; dort steht auch das Datum der letzten Änderung. Meldungen über „neue Kleingartengesetze“ betreffen meist Landes- oder Kommunalregeln, etwa zur Flächensicherung in Großstädten.
Und die Versicherung?
Für die Kleingartenversicherung spielt das Bundesland keine Rolle: Der Beitrag ist bundesweit gleich, und auch Bestandsschutz-Lauben aus DDR-Zeiten über 24 m² sind versicherbar. Entscheidend sind Neuwert und Ausstattung – siehe Versicherungssumme richtig wählen und Was ist versichert?
Typische Länderfragen – kurz beantwortet
NRW: Gilt ein Kleingartengesetz NRW?
Nein, auch in Nordrhein-Westfalen gilt das BKleingG. Für Bauten ist die Landesbauordnung NRW maßgeblich, für Grenzabstände das Nachbarrechtsgesetz NRW. Viele Regeln stammen aus den Rahmenordnungen der Landesverbände – in NRW gibt es mehrere.
Niedersachsen und Hannover
Auch hier gilt Bundesrecht. Für Hannover und Braunschweig finden Sie regionale Informationen auf unseren Stadtseiten.
Sachsen und Sachsen-Anhalt
Beide Länder gehören zu den neuen Ländern, § 20a BKleingG gilt. Sachsen gehört zu den Ländern mit besonders vielen Kleingärten je Einwohner. Viele Lauben sind dort älter und größer als 24 m² – mit Bestandsschutz.
Hessen
Bundesrecht plus Hessische Bauordnung und hessisches Nachbarrecht. Konkrete Vorgaben finden Sie in der Gartenordnung Ihres Vereins.
Berlin
Berlin ist ein Sonderfall: Im Ostteil gilt § 20a, im Westteil nicht. Als Stadtstaat setzt Berlin zudem eigene Planungsinstrumente zur Sicherung von Kleingartenflächen ein. Für die aktuelle Rechtslage bei Flächensicherungen informieren Sie sich beim Senat oder beim Landesverband.
So finden Sie die Regeln für Ihren Garten
- Pachtvertrag und Gartenordnung lesen – sie sind am konkretesten.
- Satzung des Vereins und Rahmen-Gartenordnung des Landesverbands anfordern.
- Bei Bauvorhaben die Landesbauordnung bzw. das Bauamt fragen.
- Im Zweifel: Vorstand oder Bezirksverband ansprechen, bevor Sie bauen oder pflanzen.
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Seit Jahren auf Sachversicherungen für Kleingärten spezialisiert. Als unabhängiger Makler bin ich nicht an eine Gesellschaft gebunden und vertrete im Schadensfall Ihre Interessen – nicht die des Versicherers. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung; maßgeblich sind Gesetz, Pachtvertrag und Vereinssatzung.
4,9 ★★★★★ Google-BewertungenHäufige Fragen
Gibt es ein eigenes Kleingartengesetz für Bayern, NRW oder Niedersachsen?
Nein. Das Bundeskleingartengesetz gilt in allen Ländern gleich. Länder regeln nur angrenzende Bereiche wie Bauordnung, Nachbarrecht und Zuständigkeiten; Details stehen in den Ordnungen der Landesverbände und Vereine.
Was ist in den neuen Bundesländern anders?
§ 20a BKleingG enthält Überleitungsregeln: Vor dem 3. Oktober 1990 rechtmäßig errichtete Lauben über 24 m² dürfen unverändert bleiben, und bestimmte alte Wohnbefugnisse bestehen fort.
Brauche ich für meine Laube eine Baugenehmigung?
In der Regel nicht: Die Landesbauordnungen stellen Gartenlauben in Kleingartenanlagen nach dem BKleingG meist verfahrensfrei. Die Zustimmung des Vereins und die 24-m²-Grenze gelten trotzdem.
Wo finde ich die aktuelle Fassung des Bundeskleingartengesetzes?
Kostenlos auf gesetze-im-internet.de, dem Portal des Bundesjustizministeriums. Dort ist auch die letzte Änderung vermerkt.
Kostet die Kleingartenversicherung je nach Bundesland unterschiedlich?
Nein. Unser Beitrag ist bundesweit gleich und beginnt bei 34,60 € im Jahr.
Gilt das BKleingG auch für meine Datsche in Brandenburg?
Nur, wenn sie in einer Kleingartenanlage liegt. Einzelne Erholungsgrundstücke fallen unter andere Regeln, vor allem das Schuldrechtsanpassungsgesetz; versichert werden sie über eine Wochenendhausversicherung.
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