Schrebergartenversicherung: Was Sie für Ihren Schrebergarten brauchen
Von Carsten Buchholz, unabhängiger Versicherungsmakler · Aktualisiert am 1. November 2026 · 8 Minuten Lesezeit
Kurz beantwortet
Ein Schrebergarten ist rechtlich ein Kleingarten im Sinne des Bundeskleingartengesetzes – versichert wird er deshalb mit einer Kleingartenversicherung. Sie schützt Laube und Inhalt gemeinsam gegen Feuer, Einbruchdiebstahl und Vandalismus nach Einbruch, zum Neuwert und ohne Selbstbeteiligung, ab 34,60 € im Jahr. Sturm und Hagel an der Laube kommen ab 59,75 € dazu. Die Haftpflicht als Pächter läuft in der Regel nicht über diese Police, sondern über Ihre Privathaftpflicht.
Was ist ein Schrebergarten?
Der Duden beschreibt den Schrebergarten als Kleingarten innerhalb einer Gartenkolonie am Stadtrand. Der Name geht auf den Leipziger Arzt und Erzieher Daniel Gottlob Moritz Schreber (1808–1861) zurück. Einen Garten hat Schreber selbst nie angelegt – er starb drei Jahre bevor der erste nach ihm benannte Verein entstand.
Wie aus einem Spielplatz Gärten wurden
Schreber hatte sich für Bewegung und frische Luft für Stadtkinder eingesetzt. Der Leipziger Schuldirektor Ernst Innocenz Hauschild griff die Idee auf und gründete mit Eltern und Lehrern einen Verein, der einen Spiel- und Turnplatz schaffen sollte. Als Gründungsdatum dieses ersten Schrebervereins gilt der 10. Mai 1864. Auf Anregung des Lehrers Karl Gesell kamen später Kinderbeete hinzu. Weil die Erwachsenen die Beete zunehmend selbst bewirtschafteten, wurden daraus Familiengärten – der Ursprung dessen, was heute als Schrebergarten bekannt ist.
Die Anlage des ersten Vereins besteht bis heute als Kleingartenverein „Dr. Schreber“ in Leipzig. Auf ihrem Gelände an der Aachener Straße befindet sich das Deutsche Kleingärtnermuseum.
Schrebergarten und Kleingarten: rechtlich dasselbe
Im Gesetz kommt das Wort Schrebergarten nicht vor. Maßgeblich ist der Begriff Kleingarten nach § 1 BKleingG. Ein Garten ist danach ein Kleingarten, wenn zwei Bedingungen zusammenkommen:
- Er dient nicht erwerbsmäßiger gärtnerischer Nutzung, insbesondere dem Anbau von Obst und Gemüse für den Eigenbedarf, und der Erholung.
- Er liegt in einer Anlage, in der mehrere Einzelgärten mit gemeinschaftlichen Einrichtungen wie Wegen, Spielflächen oder einem Vereinshaus zusammengefasst sind.
Ausdrücklich keine Kleingärten sind unter anderem Gärten, die der Eigentümer selbst nutzt, Gärten, die mit einer Mietwohnung überlassen werden, und Grabeland, das nur mit einjährigen Pflanzen bestellt werden darf. Ein Schrebergarten im üblichen Sinn – gepachtete Parzelle, Verein, Anlage mit gemeinsamen Wegen – erfüllt die Definition dagegen fast immer.
Laut Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschlands gibt es bundesweit rund 867.000 Kleingärten in rund 13.000 Vereinen; eine Parzelle misst im Schnitt etwa 370 m². Welche weiteren Regeln für Laube, Bepflanzung und Pacht gelten, fasst der Ratgeber Bundeskleingartengesetz einfach erklärt zusammen.
Parzelle, Pachtgarten, Laubenpieper, Datsche: regionale Begriffe
Je nach Region und Generation heißt derselbe Garten unterschiedlich. Für die Versicherung zählt nicht das Wort, sondern der Pachtvertrag.
- Parzelle bezeichnet das einzelne Gartenstück innerhalb einer Anlage – im Vereinsalltag der gängigste Begriff.
- Pachtgarten betont, dass der Garten gepachtet und nicht gekauft ist. Das trifft auf Kleingärten zu, aber auch auf gepachtete Grundstücke ohne Verein.
- Laubenpieper ist laut Duden die berlinisch-scherzhafte Bezeichnung für jemanden, der in einer Laubenkolonie einen Garten hat.
- Datsche stammt aus dem Russischen (dača) und bezeichnet laut Duden ein Grundstück mit Wochenendhaus.
Wann eine Datsche kein Kleingarten ist
Viele sagen Datsche, meinen aber ihre Parzelle im Kleingartenverein – dann gilt das BKleingG und die Kleingartenversicherung passt. Anders ist es, wenn das Grundstück einzeln liegt, keinem Verein angeschlossen ist oder ein Wochenendhaus trägt. In den neuen Ländern beruhen solche Erholungsgrundstücke häufig auf alten Nutzungsverträgen, für die das Schuldrechtsanpassungsgesetz gilt; nur für Nutzungsverhältnisse innerhalb von Kleingartenanlagen bleibt das BKleingG maßgeblich.
Welche Versicherungen ein Schrebergärtner braucht
Gesetzlich vorgeschrieben ist keine Versicherung für den Schrebergarten. Ob Verein oder Pachtvertrag einen Nachweis verlangen, steht in Ihren Vereinsunterlagen. Sinnvoll sind in der Praxis drei Bausteine:
1. Laube und Inhalt: die Kleingartenversicherung
Sie ersetzt Gebäude und Ausstattung nach Brand, Einbruch oder Vandalismus nach Einbruch. Ihre Wohngebäudeversicherung greift auf der Parzelle nicht, weil die Laube nicht auf dem versicherten Grundstück steht. Die Hausratversicherung deckt Gegenstände außerhalb der Wohnung nur vorübergehend – was dauerhaft in der Laube lagert, fällt meist heraus. Die Abgrenzung erklärt der Ratgeber Hausrat oder Kleingartenversicherung.
2. Haftpflicht: meist über die Privathaftpflicht
Fällt ein morscher Ast Ihres Obstbaums auf das Auto auf dem Vereinsparkplatz oder verletzt sich ein Gast auf Ihrer Parzelle, geht es um Haftpflicht. Diese Gefahr deckt die Kleingartenversicherung nicht. Viele Privathaftpflicht-Tarife schließen die Haftung als Pächter eines Kleingartens ein. Suchen Sie in Ihren Bedingungen nach Stichworten wie „Kleingarten“ oder „Schrebergarten“. Details im Ratgeber Haftpflicht im Kleingarten.
3. Die Sammelversicherung des Vereins
Manche Vereine und Verbände bieten ihren Mitgliedern Gruppenverträge an. Ob diese die eigene Laube zum Neuwert abdecken, welche Summen gelten und ob Sturm enthalten ist, unterscheidet sich stark. Fragen Sie beim Vorstand nach den Bedingungen und vergleichen Sie Punkt für Punkt – eine Anleitung dazu bietet der Ratgeber Vereins-Sammelversicherung.
Was die Schrebergartenversicherung leistet
Im Grundschutz (Basic) sind Feuer, Blitzschlag, Explosion, Einbruchdiebstahl, Vandalismus nach Einbruch, Glasbruch der Gebäudeverglasung bis 3 m² sowie Aufräum- und Abbruchkosten versichert. Komfort ergänzt Sturm ab Windstärke 8, Hagel und Leitungswasser – aber nur an der Laube. Premium dehnt diese drei Gefahren auf den Inhalt aus und versichert Gartenmöbel im Freien gegen Diebstahl bis 450 €.
Für den Alltag im Schrebergarten bedeutet das:
- Werkzeug und Geräte in der verschlossenen Laube sind bei Einbruch versichert. Was ungesichert draußen steht, ist bei Diebstahl nicht versichert – Ausnahme: Gartenmöbel im Premium-Tarif.
- Obstbäume, Beete, Hecke und Zaun sind nur bei Feuer mitversichert, nicht bei Sturm oder Diebstahl.
- Gewächshaus und Solarmodul brauchen einen eigenen Einschluss: ab 19,89 € bzw. 17,88 € im Jahr.
- Hochwasser, Starkregen-Überflutung, Rückstau und Schneedruck sind in keinem Tarif versichert. Liegt Ihre Anlage in einer Flussaue, lohnt der Ratgeber Hochwasser und Starkregen im Kleingarten.
- Nicht versichert sind außerdem Fahrräder und E-Bikes, Unterhaltungselektronik, Bargeld, Schmuck, Boote, Zelte, Pavillons und Tiere.
Als Sicherung gegen Einbruch reicht das im Kleingarten Übliche: ein funktionierendes Schloss an einer verschlossenen Tür.
Was kostet eine Schrebergartenversicherung?
Der Beitrag hängt nur von der Versicherungssumme, dem Tarif und den Zusatzbausteinen ab. Wo Ihr Schrebergarten liegt, spielt keine Rolle – Leipzig kostet dasselbe wie München.
| Neuwert Laube und Inhalt | Basic | Komfort | Premium |
|---|---|---|---|
| bis 5.000 € | 34,60 € | 59,75 € | 86,76 € |
| bis 10.000 € | 47,04 € | 84,32 € | 108,65 € |
| bis 20.000 € | 91,78 € | 145,99 € | 172,81 € |
Alle Beiträge gelten pro Jahr bei drei Jahren Laufzeit. Wer sich nur für ein Jahr binden möchte, zahlt 11,09 % mehr. Im Basic-Tarif entspricht der kleinste Beitrag 2,88 € im Monat.
Welche Summe passt, hängt vor allem von der Laube ab: Eine kleine Holzlaube mit einfacher Einrichtung kommt oft mit der ersten Stufe aus, eine gemauerte Laube mit Anbau und gut ausgestattetem Geräteschuppen eher nicht. Wie Sie den Neuwert ermitteln und warum eine zu niedrige Summe teuer wird, erklären die Seite Laubenversicherung und der Ratgeber Was kostet eine Kleingartenversicherung?.
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Schrebergarten online versichern: so läuft der Abschluss
Bevor Sie starten, prüfen Sie zwei Voraussetzungen: Ihre Parzelle liegt in einer Kleingartenanlage nach dem BKleingG, und Sie sind Mitglied im Kleingartenverein. Halten Sie außerdem Vereinsname, Parzellennummer und die Postleitzahl der Anlage bereit.
- Beitrag berechnen: Neuwert wählen, Gewächshaus oder Solaranlage ergänzen, Tarif auswählen.
- Antrag ausfüllen: Angaben zu Ihnen, zur Anlage und zur Bauweise der Laube – also ob Wände und Dach massiv bzw. hart oder aus Holz bzw. weich sind. Den Versicherungsbeginn wählen Sie frei, frühestens ab dem Folgetag.
- Am Bildschirm unterschreiben: Der Antrag wird digital signiert, Papier ist nicht nötig. Der Versicherungsschein kommt meist innerhalb von 24 Stunden per E-Mail.
Haben Sie den Garten gerade erst übernommen, legen Sie den Beginn möglichst auf den Tag nach der Übergabe. Fragen beantworten wir per E-Mail an info@kleingarten-schutz.de.
Seit Jahren auf Sachversicherungen für Kleingärten spezialisiert. Als unabhängiger Makler bin ich nicht an eine Gesellschaft gebunden und vertrete im Schadensfall Ihre Interessen – nicht die des Versicherers.
4,9 ★★★★★ Google-BewertungenHäufige Fragen
Ist ein Schrebergarten dasselbe wie ein Kleingarten?
Ja, in aller Regel. Schrebergarten ist die volkstümliche Bezeichnung, rechtlich gilt der Begriff Kleingarten nach § 1 BKleingG. Entscheidend ist, dass der Garten gepachtet ist, in einer Anlage mit gemeinschaftlichen Einrichtungen liegt und nicht erwerbsmäßig genutzt wird.
Woher kommt der Name Schrebergarten?
Er erinnert an den Leipziger Arzt Moritz Schreber (1808–1861), der sich für Bewegung und Spiel von Stadtkindern einsetzte. Nach seinem Tod gründete der Schuldirektor Ernst Innocenz Hauschild 1864 den ersten Schreberverein. Aus den dort angelegten Kinderbeeten entstanden später Familiengärten.
Brauche ich für meinen Schrebergarten eine Haftpflichtversicherung?
Eine eigene Haftpflicht nur für den Garten ist meist nicht nötig. Viele Privathaftpflicht-Tarife schließen die Haftung als Kleingartenpächter bereits ein. Prüfen Sie Ihre Bedingungen; die Kleingartenversicherung selbst deckt keine Haftpflichtschäden.
Meine Datsche liegt nicht in einem Verein – kann ich sie trotzdem so versichern?
Nein. Die Schrebergartenversicherung setzt eine Parzelle in einer Kleingartenanlage und die Vereinsmitgliedschaft voraus. Für ein einzelnes Erholungs- oder Wochenendgrundstück ist eine Wochenendhausversicherung die richtige Deckung. Schreiben Sie uns, wir sagen Ihnen, worauf Sie achten sollten.
Ist das Gerätehaus im Schrebergarten mitversichert?
Ja, Gerätehaus, Schuppen und feste Überdachungen gehören zu den Gebäuden auf der Parzelle und laufen über die gemeinsame Versicherungssumme. Rechnen Sie ihren Neuwert deshalb mit ein. Ein Gewächshaus ist dagegen ein eigener Baustein ab 19,89 € im Jahr.
Quellen
- Duden: Schrebergarten
- Leipziger Internet Zeitung: 150 Jahre Schreberbewegung im Deutschen Kleingärtnermuseum
- Senatsverwaltung Berlin: Geschichte der Kleingärten
- Deutsche Biographie: Hauschild, Ernst Innocenz
- § 1 Bundeskleingartengesetz – Begriffsbestimmungen
- § 2 Schuldrechtsanpassungsgesetz – Nicht einbezogene Rechtsverhältnisse
- Duden: Laubenpieper
- Duden: Datsche
Weitere Ratgeber
Kleingarten versichern in Ihrer Stadt
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